Als Hellseher einem Verbrechen auf der Spur – Konkurrenz für Forensik?


Hellseher oder Detektiv?

Allem voran müssen wir uns bewusst sein, dass es keinen Beweis für die Existenz einer übersinnlichen Realität gibt, in der die Toten leben und mit denen die Lebenden in Kontakt treten können (und der Hellseher setzt sich, wie man weiß, über die Suche vermisster Personen hinaus mit Verstorbenen in Verbindung). Obwohl es Menschen gibt, die behaupten, durch den klinischen Tod Kontakt mit den Toten oder dem Jenseits aufgenommen zu haben, gibt es auch viele, die nach der Erfahrung des klinischen Todes einfach das Bewusstsein wiedererlangt haben, ohne während des klinischen Todes etwas Übernatürliches zu erleben.

Objektiv gesehen haben wir, abgesehen von der Weltanschauung und individuellen Erfahrungen, die nicht überprüft werden können, zumal sie nicht einheitlich sind, keine solide Grundlage für die Annahme der Existenz der Geisterwelt. Aber trotz des Fehlens von Beweisen für die Existenz dieser Realität bleibt das Hauptinstrument der Arbeit des Hellsehers die Vision, während der er angeblich Zugang zur Geisterwelt hat. Der Kontakt mit ihr, so behaupten Hellseher, soll die Ermittlungen voranbringen oder abschließen. Marek Szwedowski behauptet sogar, von einer verstorbenen Person erfahren zu haben, wo nach ihrer vermissten Leiche zu suchen ist. Oft ist jedoch die Vision, die der Hellseher hat, nicht präzise, mehr noch: Sie ist flüchtig, nicht besonders konkret und zu allgemein (z.B. „der Verdächtige bewegt sich mit dem Fahrrad fort“ oder „die Leiche befindet sich in einem sumpfigen Gebiet“).

Im Falle eines Detektivs ist dies nicht der Fall, da er einfach zu überprüfende Werkzeuge (Personendaten, Ton- oder Bildaufzeichnungsgeräte usw.) verwendet. Außerdem können die vom Detektiv gesammelten Dokumente als Beweismittel in einem Gerichtsverfahren verwendet werden. Was das Material des Hellsehers betrifft, so sollte man bedenken, dass dieser erst auf der Grundlage der gesammelten Beweise (Foto, Messer, mit dem das Opfer getötet wurde) eine Vision haben kann. Wenn es also keine anderen Indizien in der Ermittlung außer der Vision des Hellsehers gäbe, hätten seine Worte keine ursächliche Kraft, und es wäre sicherlich nicht möglich, auf ihrer Grundlage die Wohnung eines potentiellen Täters zu durchsuchen.


Die rechtliche Dimension des Hellsehens

Es kann daher der Schluss gezogen werden, dass das Hellsehen keine Konkurrenz oder Alternative zu traditionellen Ermittlungen darstellen kann, da nach geltendem Recht dem Hellseher für das, was er sieht oder worauf er hinweist,
die Beweiskraft fehlt. Wenn, wie es die Enthusiasten bedenklicher Ermittlungsmethoden wünschen, das Hellsehen wirksamer wäre als die traditionelle Forensik, hätte man das schon längst verifiziert, wodurch die Dienste von Hellsehern die traditionellen Ermittlungsmethoden verdrängt hätten. Es ist auch möglich, dass sich das geltende Recht vollständig ändert. Nur wenige sind sich der Folgen bewusst, die das Hellsehen begleiten. Um dies zu verstehen, sollten wir versuchen, einige wichtige Fragen zu stellen. Die Fähigkeit, Fragen zu stellen, ist doch bei jeder Ermittlung von unschätzbarem Wert.
Zuerst einmal kommen wir auf die Fakten zu sprechen: Wir wissen nicht, ob es die jenseitige Dimension gibt (gute und schlechte Geister, mächtige Energien, Gott als spirituelle Kraft, die das Universum verwaltet), über die Hellseher sprechen. Trotz der ereignisreichen Geschichte der Zivilisation haben wir immer noch keine Beweise dafür, aber wenn wir die Existenz dieser Dimension anerkennen, welche Konsequenzen könnte dies für uns Menschen haben?

Wenn der Spiritist die Zukunft kennt, bedeutet das, dass sie bereits vorbestimmt ist. Wenn also unser Schicksal von mysteriösen Kräften – von Geistern, vom Schicksal – geleitet wird, können wir dann von der vollen Verantwortung des Menschen für seine Handlungen sprechen? Selbst wenn wir behaupten, dass eine Art spirituelle Kraft, die wir gewöhnlich Gott zuschreiben, dem Menschen einen freien Willen gegeben hat, macht das die Sache paradoxerweise noch komplizierter. Ein allwissendes Wesen weiß, wie der Name schon sagt, alles und hat somit auch Wissen über jedes in der Zukunft begangene Verbrechen. Außerdem greift es, wenn das Verbrechen begangen wird, nicht ein und lässt daher das Böse zu. Doch das Gewährenlassen unterscheidet sich durch nichts von der Mittäterschaft. Wenn also das Hellsehen anerkannt wird, dann muss man es auch konsequenterweise für sehr wahrscheinlich annehmen, dass wir in einem Universum leben, das von einem grausamen Wesen regiert wird, das Menschen als bloße Marionetten oder Werkzeuge zur Verwirklichung eines abscheulichen Plans behandelt und menschliches Leid mit einkalkuliert.


Wen soll man mit der Sache beauftragen?

Wenn die Zukunft vorbestimmt ist, werden bestimmte Situationen unabhängig von menschlichen Handlungen eintreten (der Mörder wird das Opfer einholen, der Vergewaltiger wird die nächste Frau vergewaltigen). Welchen Sinn machen also Detektive und die Polizei angesichts einer derartigen Vorstellung von der Welt, wenn sie letztlich auf gar nichts Einfluss haben? Und ist irgendjemand verantwortlich für das, was er tut, wenn er nur seine Rolle in dem seit Ewigkeiten vorgezeichneten Plan spielt?

Man kann natürlich unendlich viele Fragen dieser Art, auf die es keine sicheren Antworten gibt, stellen. Wahrscheinlich hat jeder schon einmal die Geschichte gehört, in der ein Geist die würdige Bestattung seiner Leiche fordert – als ob das Jenseits an sich nicht spannend genug wäre – oder eine Strafe für seinen Mörder. Indes schweigt sich das Jenseits über die massenhaft stattfindenden Gräueltaten in Mexiko oder über Millionen gewöhnlicher Menschen, die nie Gerechtigkeit erfahren haben, aus. Es ist, als ob die Gerechtigkeit ein Privileg für Auserwählte wäre, oder eine seltene, zufällig erhaltene Gabe, die oft in die falschen Hände gerät.

Es scheint, dass die Welt bereits ohne die Annahme der Existenz der Geisterwelt erbärmlich und ungerecht genug ist. Daher sollten wir lieber auf die mühsame Arbeit ehrlicher Polizisten und Detektive vertrauen, denn nur der Mensch ist in der Lage, durch präzise Methoden und entschlossenes Handeln das Böse zu minimieren oder zu verhindern. Zum Glück!

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